Die blauen Essenzen
Was ist das:
Es ist der Welten Urgeflecht,
Richtschnur, Maß und Fels, ich dächt‘,
Woran jede Illusion zerschellt.
Es den Lügner tief im Herz‘ verprellt
Und richten wird, was richtbar ist.
Das ist die Wahrheit.
Und was ist das:
Es die frische Luft der Seel‘,
Lernst du es erst zu atmen.
Mal zwickt, mal schmerzt, mal kitzelt es
Und selten kannst du’s erwarten.
Das ist Ehrlichkeit.
Ich kenn’ ein Land, von dort fließt Luft,
In blauen Strömen in uns’re Gruft.
Kristallklar, rein und Saphir-blau,
Der Kenner liebt ihren Felsenduft.
Wir diese Luft nicht atmen mag,
Der sollte lieber bangen,
Er liegt ja schon in seinem Sarg,
Tot, an der Richtschnur erhangen.
Ein blauer Gleißblitz der Ewigkeit,
Erstarrte wohl in uns’rer Zeit,
Verflochten in die Dunkelheit,
Erzählt er Gottes Herrlichkeit.
Das sind die blauen Essenzen,
Die ewig sind und nie vergeh’n.
Sein Herz von ihnen abzuwenden,
Heißt willentlich nichts zu versteh’n.
Ein blauer Blitz erhellte schlagartig meine Vorstellungskraft. Wie wenn durch Risse in trockenem Wüstenboden überraschend Wasser hervorquillt, so leuchtete ein bläuliches Licht durch die Blitz-förmigen Risse hinter der Wand meiner Vorstellungskraft hervor und weckte meine Neugier nach dem was mir fremd und doch die ganze Zeit so nah war.
Alles Sichtbare ist durch Unsichtbares geschaffen. „Die blauen Essenzen“ reden von diesen unsichtbaren Dingen, die uns unbeschreiblich fremd und doch ganz nah sind. Sie reden von den Dingen, durch die Gott die Welt bewegt, bestimmt, beurteilt und geschaffen hat. Von dem, was die Welt im Innersten zusammenhält und wie der Mensch sich dazu in Beziehung setzen lassen muss, um nicht wie ein ankerloses, manövrierunfähiges Schiff seinem Heimathafen unwiederbringlich zu entdriften und auf dunkler See unterzugehen.
Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, sodass die Dinge, die man sieht, nicht aus Sichtbarem entstanden sind.
Hebräer 11,3




