Nachtkampf
Die Nacht im stillen, sachten Fluss
Sie klopft an meine Tür.
Das tut sie, fühle ich Verdruss
Und Kraft fehlt mir dafür,
Zu wecken meine lieben Brüder,
Die mit mir kämpfen, mit mir steh’n,
Ich steh‘ am Wegesrand und spüre
Alte Träume von mir geh’n.
Der Wind trägt sie davon, nach Haus.
Ich wag’ sie nicht zu fassen.
Ich blicke weiter geradeaus
Sie sehnsuchtsvoll zu lassen.
Mein Lebensmeer wogt sacht und schwer
In sternenklarer Nacht
Der Wind trägt Bäumerauschen näher,
Mein Trost, da ich hier wacht’.
Mein kleines, kleines Lebensboot
Ich hab den Kurs gesetzt,
Dran schlagen Wellen alter Not,
Als wurde ich verpetzt.
Ich stehe hier in meinem Schiff,
den Kurs, den halt ich bei.
Blick’ kraftlos, alternd, mühelos,
Zurück zu jenem Riff.
Zerstörung suchend, fett gewetzt
Dämonen um mich lagern.
Mein junges Herz ist alt verletzt.
Mein kleines, kleines Feuer doch,
Es brennt so heiß und leis‘,
Weist mir den Weg, auch wenn ich fühl,
Dass ich nun nichts mehr weiß.
Ich stehe krank auf einer Schwelle
Der letzte Schritt – kann ich ihn geh’n?
Von hinten strömt des Trostes Welle,
Mich ungefragt ins Ziel zu weh’n.
Wie viele Nächte haben wohl
Wie viele Menschen so verbracht
Das Herze lichtvoll zu durchsuchen
Gott zu seh’n, in seiner Pracht?
Gebete aus der Brust zu lösen
Gleich Donnern, Blitzen, Regen,
Die Kräftemassen ‚rauszulassen
Zu spüren Fried’ und Segen?
Das Blei soll aus der Seele fließen
Erhitzt durch Gottes gute Glut.
Gewittervoll Gebete schießen
Vom Herz das gläubig in Ihm ruht.
Ich trau’ dir, Herr, Kraft meines Glaubens,
Zu lenken meines Schiffes Kurs,
Zu wenden meines Herzes Blick,
Zu leuchten mir den Weg nach Haus.
Zu wecken meine schlafend‘ Freunde.
Ich trau‘ dir, Herr, Kraft meines Glaubens,
Dass ich einst sagen darf:
Ich hab den guten Kampf vollendet,
Ich kleines, starkes Schaf.
Am Ende und das weiß ich fest,
Da Tränen aus mir fließen,
Bist du der, der uns leben lässt,
Im Leben, Lieben, Sprießen!
Im Herbst 2019 hatte mich ein Thema, von dem ich dachte, es sei erledigt, zu einem empfindlichen Zeitpunkt erwischt, sodass ich eine Nacht ins Gebet geflüchtet bin. Mir ging es nicht gut. Ich war verzweifelt. Menschliche Hilfe wirkte nur oberflächlich. Ich habe fast die ganze Nacht hindurch gewacht, gebetet, geschwiegen und still zu Gott geschrien. Ich war müde und verzweifelt und habe ihm alles hingelegt: meine Überforderungen, meine Wunden, mein Unverständnis, meine Ängste, meine Wut. Dann habe ich ihn gebeten, meine Wunden zu heilen, mich aufzurichten, meinen Blick klar werden zu lassen. Es dauerte eine Weile und dann sammelten sich Wörter in mir, die ich unten als „Nachtkampf“ aufgeschrieben habe.
Als das Gedicht fertig war, war das Problem nicht weg, aber es markierte den Beginn eines bewussten und deutlichen Heilungsprozesses, den Jesus Christus in meinem Leben begonnen hatte. Er hatte meinen Blick wieder auf sich gerichtet und ich konnte weitergehen (und dann auch gegen 5 Uhr wieder schlafen).

Ein fester Turm ist der Name des HERRN; in diesen flüchtet sich der Gerechte und ist in Sicherheit.
Sprüche 18,10





