Der Maskenball

Der Maskenball

Seit Adams leisem Sündenknall,
Fließt gift’ges Blut durch Mark und Bein,
Willkommen hier zum Maskenball,
Zum Tanzparkett im Sündenschein.

Wie schönlich sich die Menschen wiegen,
Sich schmerzlich am Parkett verbiegen.
Sich Rück an Rück nach vorn bekriegen,
Um ihre Schatten zu besiegen.

So geht es schon seit Jahren,
Im Gleichtakt rum im Kreis.
Der Gastgeber klatscht rhythmisch,
Uns Menschen kreidebleich.

Verhärtet sind die Hüllen,
Verschlossen ist der Kern.
Der Furcht sich ganz zu öffnen,
Ergibt man sich still, lächelnd gern.

Wo darf die Maske niedersinken,
Ich zeigen, was mich schlaflos hält,
Wann kann ich aufhör’n mich zu schminken,
Und mich zu beugen vor der Welt?

Wo darf die Wunde sichtbar bluten,
Die Tränen spürbar flüssig sein?
Wo bricht das Licht den Sündenschein,
Und Ruh‘ und Frieden kehret ein?

Vor dem Kreuz, mein Freund.
Vor dem Kreuz, mein Schatz.
Vor dem Kreuz, liebe Schwester.
Vor dem Kreuz, guter Vater.
Vor dem Kreuz, ihr Menschen.
Vor dem Kreuz.


Liebe und Zerbrechlichkeit gehören zusammen. In der Tat ist eine meiner Kernerkenntnisse im Leben folgende: Maximale Liebe bedeutet maximale Verletzlichkeit – dahinter verbirgt sich fast so eine Art Proportionalitätsgesetz. Wer liebt, aber nicht „all in“ geht, hat die Liebe automatisch begrenzt und sich damit aus eigener Entschiedenheit den höchsten, köstlichsten und tiefsten Erfahrungen beraubt. Wer „all in“ geht, riskiert letztlich alles. Ultimativ kann volle Verletzlichkeit das Leben kosten – wer ist da schon leichtsinnig? Ich nicht, wir nicht.

Allerdings habe ich noch etwas Faszinierendes festgestellt: Wenn man ein kleines Risiko eingeht und nicht verletzt wird, senkt das die Schwelle für andere, ebenfalls ihre Verletzlichkeit zu erhöhen. Bitte nicht falsch verstehen – mit Verletzlichkeit meine ich nicht notwendigerweise jedem alle emotionalen Impulse und Gedanken mitzuteilen. Ich meine eine Art des Sich-Auslieferns, dem Gegenüber zu gestatten, mich zu sehen, zu betrachten, auch wenn es stinkt oder blutet. Die Masken fallen zu lassen. Fasst mein Gegenüber dadurch Vertrauen, erhöht er seinerseits eventuell seine Verletzlichkeit und so wird das ganze zu einem Tanz, der eine Beziehung vertieft. Zwei Freunde können auf ein Mal über die Aggressionen ihrer Väter sprechen und wie schrecklich das war. Eine Mutter kann zum ersten Mal aufrichtig um Verzeihung bitten. Ein Freund fragt zum ersten Mal „Wie geht es dir?“ und ist an einer Antwort interessiert.
Aber: Es braucht den einen, der den Anfang wagt und dieser jemand darf das nicht ängstlich tun, sonst beerdigt seine erste Enttäuschung sein gutes Vorhaben.

Jetzt erkenne ich, dass diese erste Person kein einfacher Mensch hätte sein können, sondern, dass Gott selbst das getan hat. In seinem Sohn Jesus Christus. Und zwar nicht ängstlich, sondern aus purer Liebe zu uns:

Wir lieben [Jesus Christus], weil er uns zuerst geliebt hat.

1.Johannes 4,19

Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Römer 5,8

Er [der himmlische Vater], der sogar seinen eigenen Sohn [Jesus Christus] nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?

Römer 8,32

Gott selbst hat diesen Tanz der Zerbrechlichkeit initiiert und einen Weg bereitet – dort und nur dort in der Botschaft des Kreuzes zeigt sich maximale Liebe und maximale Verletzlichkeit. Seit mir das klar ist, kann ich entschieden verletzlich sein, weil mich Gott zuerst geliebt hat, weil ich das erfahren durfte und dafür werde ich ihm immer dankbar sein – meine Beziehungen sind dadurch immer gesünder geworden.

Als „Der Maskenball“ entstand, sah ich eine Gruppe maskierter Tänzer auf einem Ball. Die ganze Stimmung war unheimlich übertrieben, als wäre die Freude eines ersten, freiwilligen Tanzes vergangen, aber der Gastgeber, eine herrische Person, duldete keine Pause. Und so tanzten alle weiter, die Schuhe schon abgewetzt, die Kleider verschlissen, das Lächeln versteinert, nur ab und zu konnte man hinter einigen Masken kleine Tränen hervorfließen sehen. Eine ziemlich verstörende Szene: Eine Lüge versklavt Menschen ihre Masken aufrecht zu halten und gezwungen fröhlich zu sein.


Es gibt einen christlichen Kurzfilm, der das Thema „Zerbrechlichkeit“ auf andere Weise aufgreift, aber sehr eindringlich auf das „Du und Gott“ und das Thema „Sünde“ eingeht – vielleicht hilft er dir ja weiter.

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