Von der Vergänglichkeit

Von der Vergänglichkeit

Eine Klaviermelodie, summt silbern und klar
Verliert sich im Frühlingswind, wunderbar,
Weckt Sehnsucht nach alten Zeiten,
Flieht lächelnd in grüne Weiten.

Warme, weiche Sommerluft,
Hummeln brummen in den Linden,
Ein Mann, eine Frau, zwei Hände,
In sanftem Abendrot sich finden.

Ein Freund und feuriges Herbstlaubrot,
Ein Gehstock, ein liebes Lachen,
Ein Rat, ein Spruch, ein mahnender Blick,
Wer wird nach uns die Liebe entfachen?

Ein vergilbtes Foto im Schuhkarton,
Mutter und Vater am Kinderwagen,
Lächeln so müde und liebeserfüllt,
„Liebe“, nichts and’res sie sagen.

Die Schönheit manchen Moments,
Fiel auf mein liebesdurstiges Herz,
Wie ein Tautropfen von Rosenblättern,
Auf wasserlechzende Erde.

Warme, goldene Wellen pulsierender
Freude durchwehten meine Seele und
Trugen Krusten alter, böser Hasstrauer
Aus meinem Herz.
Doch Momente geh’n vorbei.
Worin besteht ihrer Schönheit Sinn?

Wahre Schönheit zeigt immer auf Schöneres hin:
Auf den König der Könige, Sein Himmelreich.
Nichts kommt Seiner Schönheit gleich.

Und wüsst‘ ich das nicht, ich würde vergeh’n.
Würd‘ sehnsüchtig, vertrocknend im Regen steh’n,
Mich selbst verzehrend um Vergangenes dreh’n.
Was bin ich froh, gerettet zu sein.


Ich vermute irgendwann im Teenager-Alter fing es an, dass mir immer bewusster wurde, wie vergänglich die Welt doch ist. Besonders im Frühling ergriffen mich Sehnsüchte schwer zu kontrollierender Intensität. Teilweise so stark, dass ich selbst oft kurz davor stand, nicht mehr richtig glücklich sein zu können. Wenn man genau hinhört und sich genug Stille gönnt, dann stellt die Seele von selbst ihre akuten Fragen und äußert ihre Nöte. Die sind dann aber häufig so substantiell, dass man sich diesen nicht so gern stellen mag.

Im Falle meiner Sehnsucht jedoch konnte und wollte ich mich der Herausforderung nicht entziehen. Jahre nach meinem ganzen Ringen mit dem Thema, sah ich eine Serie kleiner Szenen vor meinem geistigen Auge, Szenen, die auf die ein oder andere Art Lebensthemen deutlich fassen, die mich besonders berühren und von denen ich auch heute denke, dass sie uns alle betreffen. Als ich das Gedicht aufgeschrieben hatte, erkannte ich auf ein Mal Gottes Leitung durch die Felder der klaffenden Sehnsuchtsschluchten hindurch und es folgte folgende Antwort auf die Frage meiner Seele nach dem „Warum der Vergänglichkeit“ und der Not meiner ungestillten Sehnsucht:

Die Schönheit in allen Momenten, die deine Sehnsucht wecken, sind von mir bewusst gesetzte Wegweiser, die dich zu immer schönerem und letztlich zu mir leiten werden.

So sprach mir Gott väterlich ins Herz

Seitdem bin ich frei von dem Zwang an Momenten festhalten zu müssen und ich leide auch nicht mehr unter der Vergänglichkeit, stattdessen kann ich schöne Momente als leuchtende Erinnerungen in mir weiterleuchten lassen und freue mich mit jedem Moment mehr auf den Himmel ohne aber im Jetzt nicht danken oder genießen zu können. Als das meine Seele erfuhr, wurde ich wahrlich geheilt und befreit. Genau das ist damit gemeint, wenn die Bibel folgendes sagt:

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Psalm 90,12

Schönheit in dieser Welt ist
Gottes Wegweiser in Sein Reich.

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